Während der Durchschnittsbiker seine vier Buchstaben auf dem Sitz belässt und meistens brav beide Räder auf der Erde hat, haben die Fahrer der Night of Freestyle ein ganz anderes Programm.

Ich hatte vorher immer nur Motorräder am Boden fotografiert und keine Berührungspunkte mit dieser Extremsportart gehabt. In einfachen Worten bedeutet Freestyle: „Springe mit einem Gefährt – egal welchem – über eine Schanze in die Luft, mach während des Fluges die verrücktesten Sachen, wer die krassesten Stunts zeigt hat gewonnen“.

Im Falle von fliegenden Motorrädern heißt das dann „Freestyle Motocross“, oder kurz FMX. Was ich an diesem Abend zu sehen bekam, war atemberaubend und hatte Weltklasseniveau (was ich eigentlich nicht beurteilen kann, weil ich wie oben erwähnt vorher noch keine Berührungspunkte…aber lassen wir das 😉


In einem actiongeladenen Spektakel präsentierte eine bunte Truppe von Fahrern aus aller Welt ihr Können auf dem Motorrad, BMX-Rad, Buggy, Quad, einem Schneemobil.

Doch bevor die Show begann, durften die Fans in die Katakomben der TUI Arena, um den Fahrern die Hand zu schütteln und Autogramme abzuholen.

Dann ging es los. In der ausverkauften TUI Arena in Hannover wurde ein wortwörtliches Freestyle-Feuerwerk abgebrannt, unterstützt von einer fulminanten Laser- und Pyroshow:


Das „Einspringen“ wurde von BMX-Bikern übernommen, die von einer 8 m hohen Rampe aus den nötigen Schwung für ihre waghalsigen Stunts bekamen. Die Schwerkraft schien aufgehoben. Salti sind da schon eher eine Aufwärmübung, nicht selten wurde das Fahrrad während des Fluges kurz verlassen, rotierte um seine eigene Achse, um anschließend mit dem Fahrer wieder sicher auf der Auslauframpe zu landen.

Das Team war hochkarätig besetzt und höchst international (Fahrer aus Deutschland, Österreich, Spanien, Frankreich, Italien, Russland, Australien, Dänemark, Großbritannien, Schweden…). Unter ihnen waren der Weltmeister von 2013 David Rinaldo, aber auch Newcomer wie der 18jährige Deutsche Tom Pfeifer, der mit seinem BMX-Rad waghalsige Sprünge und Doppelsalti ausführte (oben zu sehen mit dem roten Helm).

Die Sprünge waren in einer Art Mini-Turnier organisiert. Drei Fahrer zeigten jeweils ihre besten Tricks, danach stimmte das Publikum per Applausometer ab. Der Sieger dieses kleinen Wettbewerbes durfte sich über eine Extraprämie freuen. Die Skala ging bis 100 dB, was laut Wikipedia dem Schalldruckpegel eines Diskotheklautsprechers in 1m Entfernung entspricht. Und diese Marke wurde vom abfeiernden Publikum auch geknackt…


Die Show dauerte insgesamt über drei Stunden (mit einer halben Stunde Pause) und es gab keinen Moment, in welchem nicht irgendein Fahrzeug flog oder sich drehte. Ein sehr kurzweiliger Abend!


Für mich als Fotografen war das eine neue Erfahrung, denn bislang hatte ich immer nur Fahrzeuge am Boden vor der Linse. Erschwerend kam hinzu, dass durch die vielen Pyroeffekte ein Dauerdunst in der Luft lag, der auf den Fotos einen milchigen Schleier verursachte.

Für die Fotografen unter den Lesern hier kurz meine Ausrüstung für den Abend:
– Nikon D800 mit dem Nikkor 24-70 f2.8
-Nikon D750 mir dem Tamron 150-600 f5-6.3

Die Wahl des Teleobjektives erwies sich als Fehlgriff. Ich hätte mein 70-200 f2.8 nehmen sollen, um mehr Lichtstärke zu haben. Aber irgendwie dachte ich vorher, dass 200 mm Brennweite nicht ausreichen würden. Das Problem: Durch die viel kleinere Blende musste ich bis ans Limit des vertretbaren ISO-Bereiches gehen. Viele Fotos mit dem 150-600 sind bei ISO 12.800. Da geht dann selbst die D750 in den Bereich des starken Rauschens. Mit Blende 2.8 hätte ich mehr Licht reinlassen können und somit eine niedrigere ISO-Einstellung benötigt.
Aus Fehlern wird man klug… aber die Bilder sind ja trotzdem ganz passabel geworden wie ich finde *hier stinkt es*. Zurück zum eigentlichen Thema.

Statische Fotos können die Dynamik der Figuren überhaupt nicht wiedergeben. Aus diesem Grund habe ich aus ein paar Serien Collagen von Sprüngen gemacht.

Ein Salto mit zwei Leuten auf dem Bike.

Ein Fahrerwechsel während des Sprunges. Der Fahrer duckt sich nach unten weg, der Sozius macht einen Bocksprung und übernimmt den Lenker. Das alles während eines Sprunges, der maximal 2 Sekunden dauert !

Eine 360°-Drehung während des Fluges

Salti mit verschiedenen Figuren – ich bin leider nicht tief genug in der Szene, um sie zu benennen.

Manchmal wurden kleine Pyro-Fontänen an den Fahrzeugen installiert.

Ein Sprung mit dem Fahrrad, während es um die Achse des Lenkers rotiert.

Nach über drei Stunden spektakulärer Unterhaltung auf höchstem Niveau kam es zum großen Finale. Die Bikes flogen im Sekundentakt durch die Halle, und zuallerletzt machte der Österreicher Gerhard Mayr einen Überschlag mit seinem 750 kg schweren Buggy. Von diesem Trick habe ich leider nur ein Foto, da der Autofokus in dem Moment versagte und dachte, das Publikum hinter dem Auto sei viel interessanter 🙁


Unterm Strich: Eine tolle Show, die begeistert und keine Sekunde Langeweile aufkommen lässt. Wer empfindliche Ohren hat, sollte Ohrenstöpsel mitbringen, es war deftig laut. Für mich als Fotografen war es ein tolles Erlebnis und ich freue mich darauf, die Night of Freestyle am 13. Januar 2018 ebenfalls begleiten zu dürfen!

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