Zum zweiten mal durfte ich die Night of Freestyle in der TUI Arena Hannover fotografisch begleiten (Bericht von letztem Jahr hier). Wie letztes Jahr erwartete ich nicht weniger als eine actiongeladene Show mit wahnsinnigen Sprüngen und Tricks per  Motorrad, Fahrrad, Quad, Buggy und Schneemobil. Das internationale Team an meist sehr jungen Fahrern versprach wieder einemal Freestyle-Akrobatik auf Weltklasseniveau.

Zwei Stunden vor Beginn der Veranstaltung öffnetenn sich die Tore, und man hat die Möglichkeit, sich im Fahrerlager umzusehen. Der normale Besucher muss hierzu erhebliche Wartezeiten in Kauf nehmen, doch für den netten Onkel mit dem Presseausweis ging es ein wenig schneller. Die Fahrer sitzen auf ihren Gefährten, posieren für Fotos, geben Autogramme und schnacken mit den Fans, sofern die Sprachbarriere nicht einen Strich durch die Rechnung macht.

Ich hielt ein kurzes Schwätzchen mit dem Österreicher Thomas Wirnsberger (rechts auf der blauen Yamaha). Er erzählt, dass man in dem Sport auch gleichzeitig zum Mechaniker wird, denn naturgemäß werden die Maschinen bei den vielen harten Landungen und häufigen Stürzen im Training arg mitgenommen. Thomas erzählt, dass er vom Austausch der Verkleidung bis hin zum Richten oder Schweißen des Rahmens alles selbst macht. Mittlerweile hat er viele Sponsoren, unter anderem Yamaha, was die Ersatzteilbeschaffung vereinfachen dürfte.

Unverhofft konnte ich sogar eine VIP-Tour durchs Infield mitmachen:

Das Team ist sehr routiniert im Auf- und Abbau der ganzen Halle. Der Rekord war eine Show in Hamburg, bei welcher innerhalb von nur 24 Stunden die Halle betreten, alles aufgebaut, die Show durchgezogen, alles abgebaut und die Halle verlassen wurde. Das ist schon der Wahnsinn. Ihr müsst bedenken: Es sind ja nicht alleine die Rampen, sondern auch Sprungkissen für die Sicherheit, Banner, Pyrotechnik (eine MENGE davon), Licht- und Tontechnik…. Reife Leistung. Ob man schon nen Nagel im Kopf haben müsse, um so einen Sport zu machen, fragte ich unseren Tourguide. Nö, lautete die Antwort. Die Fahrer machen das seit Kindesbeinen und wissen ganz genau, mit welcher Geschwindigkeit, welchem Winkel, welchem Schwung sie auf die Rampe gehen müssen, um ihre Tricks auszuführen. Für sie sei es wie für den Normalbürger Rad fahren oder Motorrad fahren. Okay, das kann ich nachvollziehen, auch wenn es nochmal einen gehörigen Unterschied gibt zwischen einer normalen Kurvendurchfahrt mit dem Motorrad und einem zig Meter hohen Sprung mit Salti und Schrauben. Aber wie alles im Leben: Übungssache.

Wie im letzten Jahr startete die Show mit einem fulminanten Intro mit Musik, Pyros und Lasertechnik. Es ist ordentlich laut gewesen, und dieses Jahr war ich besser vorbereitet und hatte mit meinen Gehörschutz vom Motorrad fahren mitgebracht.

Und dann ging es endlich los. Was soll ich sagen, die Jungs haben es einfach drauf. Die harmlosesten Tricks sind noch die sog. Whips. Nach dem Sprung wird das Motorrad um die eigene Achse gewedelt und z.B. horizontal in die Luft gelegt. Beachtet bei allen Fotos, dass die Flugrichtung immer von links nach rechts durch das Bild ist! Auf manchen Bildern ist nämlich das Vorderrad nach links gerichtet. Das war dann wohl eine krasse Drehung.

Die Sprungsequenzen wurden wie letztes Jahr in einen kleinen Contest organisiert. Drei Fahrer zeigten ihre besten Tricks, das Publikum stimmte per Applaus-o-meter darüber ab, welcher Fahrer die besten Tricks gezeigt hat.

Aber nicht nur Motorräder waren zu bestaunen, auch die BMX-Fahrer schöpften wieder aus dem Vollen und überboten sich gegenseitig. Begonnen wurde mit einem Hochsprungwettbewerb. Startend von einer 9m hohen Rampe konnten die Fahrer Schwung holen, um dann von einer Sprungrampe aus eine Messlatte zu überspringen. Der offizielle Weltrekord liegt bei 7,50m. Diesen haben die Fahrer an diesem Abend locker eingestellt und 7,80 m erreicht.

Interessant fand ich zu erleben, wie sich mit steigener Höhe der Messlatte das Feld ausdünnte. Es ist irgendwie logisch: Je höher die Anforderungen geschraubt werden, desto weniger Leute können sie erfüllen. Aber da man den ganzen Abend das Gefühl hat, Schwerkraft und andere alberne Naturgesetze hätten hier keine Bedeutung, wirkte es dann doch irgendwie eigenartig.

Es folgten verschiedene dieser Mini-Wettbewerbe in verschiedenen Kategorien: Paarsprung mit zwei Motorrädern, Tricks mit zwei Fahrern auf einem Motorrad, BMX-Tricks und natürlich auch das erwähnte Schneemobil, der Buggy und das Quad. Da im Fahrerlager die Grippe grassierte, ging die Show nicht ohne kleinere Zwischenfälle über die Bühne. Während letztes Jahr niemand gestürzt ist, schmissen ein paar BMXler während des Fluges ihr Fahrrad von sich, um nach einem nicht ganz geglückten Trick sicher auf der gepolsterten Bahn zu landen. Das war kein Drama.Eine Schrecksekunde hingegen produzierte der spanische Fahrer Rocky Florenza. Nach einem Trick mit zwei Fahrern auf einer Maschine schaffte er es nicht mehr rechtzeitig auf den Soziussitz und landete neben dem Motorrad hängend krachend auf der Rampe. Sofort wurde er mit Tüchern abgeschirmt und von einem Notarzt sowie Sanitätern versorgt. Zum Glück sah es nur dramatisch aus, denn er hat sich bei dem Sturz nur das Knie leicht verdreht und konnte später sogar wieder aus eigener Kraft auf die Bühne humpeln.

Viel mehr bleibt mir nicht mehr zu sagen. Es war ein toller Abend, anstrengend und fotografisch anspruchsvoll (wenig Licht, schnell bewegte Objekte, große Entfernungen). Die Zuschauer haben eine Menge für ihr Geld geboten bekommen und sind mit vielfältigen Eindrücken beglückt nach Hause gegangen. Über den fotografischen Aspekt der Show (wie ich fotografiert habe) werde ich in einem folgenden Artikel schreiben.

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