Mein Freund Rainer hat von seiner Frau zu Weihnachten ein Shooting bei mir geschenkt bekommen (die Dame weiss eben, was gut ist 😉 ). Das bedeutete dann für mich ab in die grüne Hölle – denn Rainers Kawasakis Versys 1000 kommt in einem wunderbar kräftigen Farbton daher.

Ich habe in dem Shooting verschiedene Techniken angewandt, um eine möglichst breite Palette von Bildstilen zu bekommen. Fotografiert haben wir auf dem alten Expo-Gelände in Hannover, einer Location, die ich schon öfters genutzt habe.

Beginnen wir mit Altbewährtem, dem klassischen Aufbau mit zwei Blitzen:

Ein Blitz stand links von der Kamera, einer rechts. Die bestimmende Größe für die Belichtung war das Umgebungslicht. Ich habe also zuerst die Belichtungszeit so gewählt, dass die Wolken mit Zeichnung (also Struktur) abgebildet wurden. Dann habe ich die Blitze dazugeschaltet, das TTL-System erledigte die Dosierung der Blitzleistung.

Mit dem Setup kann man gar nicht viel falsch machen. Einzig harte Schatten könnten ein Problem werden, wenn die Maschine zu nah vor einer Wand steht. Besonders das Topcase bereitet in diesem Setup Kopfschmerzen, denn es blockt einen Teil des Lichtes von dem linken Blitz. Aber nachdem ich den Blitz ein wenig herumbewegt und ein paar Positionen ausprobiert hatte konnte ich eine finden, welche einen nicht allzu brutalen Schatten hinten auf die Wand zaubert.

Vor dieser Holzwand ging es dann weiter mit aufwändigeren Aufnahmen, nämlich Lightpainting bzw. Lichtmalerei. Bei dieser Technik wird das Subjekt (Fotografenjargon für das, was man abbilden möchte) in mehreren Einzelaufnahmen belichtet und das Bild später aus Einelaufnahmen zusammengesetzt. Auf jedem Bild ist nur ein kleiner Teil der Maschine beleuchtet. Der Vorteil ist, dass man eine sehr exakte Kontrolle über das Licht hat und auch mit nur einer einzigen Lichtquelle große Objekte aus verschiedenen Winkeln ausleuchten kann.

Das folgende Bild ist eine Montage aus über 10 Einzelaufnahmen. Ich habe die Kamera auf ein Stativ montiert und bin mit einem Blitz  und einer Softbox um die Maschine gewandert. Aus jedem nur erdenklichen Winkel habe ich die Front dann angeblitzt und konnte am Ende so ein Gesamtbild mit eines gleichmäßigen und interessanten Ausleuchtung erstellen.

Die Retusche ist dabei vergleichsweise einfach. Die Bilder werden in Photoshop in einen Stapel geladen = alle Einzelaufnahmen liegen übereinander. Über den Ebenenmischmodus “Aufhellen” stellt man dann ein, dass PS immer nur das hellste Pixel aus allen Ebenen zeigt. So werden die hellen Bereiche mit einem Knopfdruck kombiniert und es entsteht das Gesamtbild.

Natürlich ist noch einiges an Retusche dabei. Eventuell ist das Blitzgerät mit im Bild, manche Reflektionen sind dann zu viel des Guten und müssen entfernt werden, in diesem Fall habe ich dann noch die Platten am Boden retuschiert, da sie über und über mit Flechten bewachsen waren.  Kurzum: So ganz ohne Arbeit und Fingerfertigkeit geht es dann doch nicht.

Das folgende Foto ist auf die gleiche Weise entstanden. Der Studio-Look mit dem schwarzen Hintergrund täuscht: die Maschine ist in exakt derselben Ausrichtung wir auf dem vorherigen Foto aufgenommen worden. Nur dass in diesem Fall die Kamera nicht Richtung Holzwand schaute, sondern weg auf eine leere Wiese. Somit verlief sich das Blitzlicht in der weiten Umgebung und alles blieb dunkel. Dieses Foto setzt sich aus ca. 15 Einzelaufnahmen zusammen.

Auf die gleiche Art und Weise ist das folgende Bild entstanden. Nur habe ich hier einen LED-Leuchtstab verwendet statt Blitzen. Mit dieser großflächigen Leuchte (ein Yongnuo YN360) bin ich während einer Langzeitbelichtung die Konturen der Maschine abgefahren. Dies kombinierte ich mit einer Einzelaufnahme der Umgebung (also einfach ohne Leuchtstab ein mehrsekündiges Foto machen) und einer weiteren Aufnahme nur mit den Scheinwerfern.

Der Charme dieser Technik mit vielen Einzelaufnahmen ist, dass man das Bild später am Rechner noch flexibel gestalten kann. Man kann Belichtungen hinzuschalten oder wegblenden, verschiedene Belichtungen der Scheinwerfer ausprobieren (je länger man die Scheinwerfer belichtet, desto stärker strahlen sie, kann manchmal auch too much sein) und und und. Die Arbeitsweise ist zwar viel aufwändiger als mein bisher gelebtes “alles in einer Aufnahme machen”, bietet aber umso mehr Flexibilität.

Das große Finale. Jetzt haben Rainer und ich mit dem Feuer gespielt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn wir haben Stahlwolle angezündet und diese während einer Langzeitbelichtung in einem Schneebesen, der an einer Kette hing, durch die Gegend gewirbelt. Das Ergebnis ist ein Feuerkranz mit dutzenden Funkenspuren, welche einen einmaligen Eindruck hinterlassen.

Hier setzt sich das Gesamtbild übrigens auch aus zig Einzelaufnahmen zusammen. Das ist hier fast unerlässlich, denn die Funken spritzen unkontrolliert durch die Gegend, so dass auf einigen Aufnahmen Funkenspuren unvorteilhaft über der Maschine liegen. Bei den verwendeten Aufnahmen hat es aber gut gepasst.

Fazit: Viele Wege führen nach Rom. Der klassische Zangenblitz ist einfach zu handhaben und bringt schnell viele gute Ergebnisse. Lichtmalerei ist aufwändiger in Durchführung und Nachbearbeitung, bietet aber die Möglichkeit, Bilder zu erschaffen, die nicht mit einer Einzelaufnahme möglich sind.

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