Unser Urlaub stand vor der Tür und ich überlegte, was ich während des Urlaubs fototechnisch unternehmen könnte. Ich hatte noch keine Motocross-Maschine fotografiert, und die karge Wüstenlandschaft Gran Canarias wäre dazu der optimale Backdrop. Daher bestellte ich flugs ein Modell einer Kawasaki KX450F im Maßstab 1:6 (ca. 18 cm lang) und freute mich auf den Urlaub.

Das Shooting habe ich in der Abendsonne durchgeführt. Dazu bin ich auf ein brach liegendes, steiniges Feld nahe unserer Wohnung gegagen und habe die Abendsonne genutzt, um die kleine Kawa zu inszenieren. Wie immer mit Modellen: Das Auge darf nicht auf den ersten Blick erfassen, wie groß das Modell tatsächlich ist. Nur dann gelingt die Illusion. In diesem Fall bedeutet dass, evtl. im Geröll liegende Zigarettenkippen, Scherben oder Kronkorken zu entfernen. Die Kamera muss extrem tief gehalten werden, um mit dem kleinen Motorrad auf Augenhöhe zu sein.

Das steinige Feld, auf dem ich fotografierte, war zum Glück sehr uneben und mit Furchen und kleinen Erhebungen durchzogen. Das bedeutete, dass ich das Modell auf einer dieser Mini-Anhöhen positionieren und sich die Kamera am Fuß des “Hügels” oder in der Furche befand. Dadurch konnte ich selbst bei dem kleinen Modell eine nach oben gerichtete Perspektive erreichen, was die Illusion weiter unterstützt. Die tiefe Perspektive ist sehr wichtig. Ein normal großes Motorrad von unten zu fotografieren ist einfach – man muss nur die Kamera in Bodennähe bringen, und da das Motorrad viel größer als die Kamera ist, muss diese zu ihm aufschauen. Bei einem Modell ist das schwierig, denn eine Spiegelreflexkamera ist meist schon fast größer als so manches Modell. Aufschauen ist da nicht drin.

Ein weiteres Stilmittel zum Verschleiern der wahren Größe eines Modellmotorrades sind Gegenlichtaufnahmen. Sieht man nur die Silhouette, verschwinden die meisten verräterischen kleinen Details wie Schraubenköpfe oder Gussgrate von Spritzgussteilen. Oben sind zwei Beispiele, eines mit starkem Kontrast und eines, auf dem etwas mehr Details zu sehen sind. Aber jetzt wird es Zeit für meine Lieblingsbilder aus der Serie: Bei dem folgenden Bild habe ich wieder das Stilmittel der Gegenlichtaufnahme genutzt. Es waren die letzten Sonnenstrahlen (wie ihr seht, ist die Sonne schon halb hinter dem Hügel im Hintergrund verschwunden), und diese wollte ich möglichst gut nutzen. Für den staubigen Offroad-Effekt habe ich einfach eine handvoll Sand und Steinchen in den Bildausschnitt geworfen. Diese wirbelten beim Aufprall auf den Boden so viel feinen Staub auf, dass dieser die Sonnenstrahlen akzentuierte, welche durch die Speichen des Crossers drangen.Letzter Shot aus der Serie: Gegenlicht, diesmal ohne Staub. Ich mag den Lensflare im Bild. Die Kamera befand sich auf Bodenhöhe, die Blende war so weit geschlossen, dass vor und hinter dem Motorrad ein wenig Boden scharf war.

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