Mein Bürofenster in der Firma geht zur Front des Gebäudes hinaus. Wir haben eigene Motorradparkplätze, und wie es der Zufall so möchte, sind sie genau vor meinem Fenster. Das bedeutet, dass ich im Sommer den ganzen Tag den Blick auf ein schönes mopetistisches Buffet habe. Neben meiner Triumph Tiger parken dort im Sommer eine Bandit, die eine oder andere BMW und auch Michaels Kawasaki Z800. Ein wunderschön grün-giftiges Meisterstück. Kompakt, futuristisch, bissig.

Natürlich war es nur eine Frage der Zeit, bis ich mich mit ihm für ein Fotoshooting verabredet habe.

Wir wählten einen schönen spätsommerlichen Abend. Fotografiert haben wir an zwei Locations: Einem Feldweg mit abgemähten Feldern drumherum sowie seiner Garageneinfahrt daheim.

Nun sind Feldwege eine oft genutzte Location, denn sie sind in Hülle und Fülle vorhanden und man braucht keine Genehmigung. Der Plan war, die untergehende Sonne mit einem Teleobjektiv einzufangen, so dass hinter dem Moped eine riesengroße Sonne erscheint.

Exkurs Optik: Ein Teleobjektiv holt weit entfernte Objekte nah heran. Dadurch rücken die Objekte im Bild näher aneinander. Will heissen: Aus 40 m Entfernung kann ich Moped mit einem Teleobjektiv genau so groß abbilden wie mit einem 50 mm Objektiv aus, sagen wir mal, 3 m Entfernung. Aber die Sonne im Hintergrund wird bei der Aufnahme mit dem Teleobjektiv viel größer erscheinen. Somit hat man eine riesige Sonne vor einem normal großen Moped. Exkurs Ende.

Beim Fotografieren mit der tiefen Sonne im Hintergrund gibt es zwei Schwierigkeiten: Man muss einen unverbauten Blick auf die untergehende Sonne haben und man muss sehr schnell arbeiten, denn die Phase, in welcher die Sonne so tief steht, dass man sie mit einem Teleobjektiv zusammen mit dem Moped auf dem Bild haben kann, ist sehr kurz.

Das Problem der Location kann durch gute Planung und Recherche behoben werden. Es gibt Apps, welche den Sonnenstand zum Tax X und Uhrzeit Y anzeigen. Mit einer solchen App ausgerüstet kann man die geplante Location besuchen und prüfen, wo die Sonne zu einer bestimmten Zeit steht. Damit könnt ihr vermeiden, dass die Sonne z.B. nicht hinter einem Gebäude in der Ferne verschwindet. Denn bedenkt: Das Teleobjektiv bedingt, dass ihr weit weg vom Moped stehen müsst beim Fotografieren. D.h. ihr fotografiert nahezu parallel zum Boden, d.h. eine leicht nach oben gerichtete Perspektive ist (auf dem flachen Land zumindest) nicht möglich.

(Wie man sehen kann, ist die Maschine mit zwei Blitzen erhellt worden. Der fleissige Leser dieses Blogs kennt die Technik bereits zu Genüge).

Das mit der Sonne funktioniert auch natürlich nur, wenn diese nicht hinter Wolken verschwindet, aber das sollte ein no-brainer sein. Im Falle von Michaels Shooting hat es gerade so geklappt. Ein paar Wolkenschleier waren da, die Bäume am Horizont haben das Vorhaben fast vereitelt, aber zum Glück hat es am Ende gut gepasst.

Es folgten einige Fotos zur blauen Stunde (oben habt ihr ja noch eins gesehen). In diesem Zeitraum zwischen Sonnenuntergang und Dunkelheit färbt sich der Himmel erst dunkelblau, bis er dann ins Schwarze hinüber gleitet. Auch hier kamen wieder die zwei bewährten Blitze zum Einsatz.

Als dann die Mücken in der Kühle des Abends aufkamen und begannen, und aufzufressen, haben wir unsere Sachen gepackt und sind zu Michaels Haus gefahren, um in der Einfahrt weiter zu arbeiten.

Davon berichte ich in einem weiteren Artikel.

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