Vor den BMW Motorrad Days hatte ich auch dieses Jahr wieder ein aktuelles Modell aus dem BMW Motorrad-Fuhrpark erhalten, um es eine Weile fahren und fotografieren zu können. Und somit konnte ich die brandneue R1250GS im sportlichen HP-Style testen. Während die R1200GS Rallye schon eine Menge Spaß gemacht hat, konnte mich die R1250GS noch mehr überzeugen.

Motor, Getriebe, Leistung

BMW hat den Klassiker GS grundlegend überarbeitet. Die wohl markanteste Änderung ist am Motor geschehen, der um 50 cc erweitert wurde. Leistungstechnisch liegt die R1250GS nun bei 136 PS und 143 Nm (!!!). Mit der neuen ShiftCam-Technologie ausgestattet ist die Leistungsabgabe des Motors noch sanfter und gleichmäßiger, als sie es vorher schon war. Bei einer gewissen Drehzahl schaltet ein Magnetventil innerhalb weniger Millisekunden und verschiebt die Nockenwelle, so dass die Ventile des Boxers anders angesteuert werden.

Rechts unten ist das Magnetventil zu sehen. Der Pin wird nach oben ausgeschossen und greift in die darüber liegende Kulisse der Nockenwelle. Die Nockenwelle wird verschoben und am Ende der Umdrehung rammt eine eigene Auswölbung an der Nockenwelle den Pin wieder in das Magnetventil zurück.

“Anders” bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Ventile weiter und länger geöffnet werden. Dieser Kniff bedeutet, dass die Drehmoment- und Leistungsabgabe über den Drehzahlbereich noch gleichmäßiger ist. Vom SchiftCam-Schaltvorgang selbst bekommt man nichts mit, aber das Verhalten des Motors spricht Bände. Im unteren Drehzahlbereich ein buttersanfter Lauf, im höheren Bereich Power satt mit einem beachtliches Röhren aus der amtlichen Akrapovic-TüteLeistung ist immer vorhanden, egal in welchem Gang, egal bei welcher Geschwindigkeit.

Ebenfalls positiv fiel mir das Getriebe auf. Während ich bei der R1200GS Rallye noch nach zwei Wochen den Leerlauf ständig überschaltete, gelingt dies bei der R1250GS ohne Probleme. BMW hat gezeigt, dass man ein in dutzenden Entwicklungszyklen perfektioniertes Produkt noch einmal signifikant verbessern kann.

„Meine“ GS ist mit einem Quickshifter ausgestattet, man muss zum Schalten also nicht kuppeln. Während dieses Feature auf einer Rennmaschine wie der RR absolut Sinn macht, wirkt es auf der GS ein wenig fehlplatziert. Natürlich ist es komfortabel, ohne Kupplung zu schalten, aber wirklich notwendig ist es nicht. Mir persönlich hat der Schaltassistent bei der GS nicht zugesagt, weil ich bei niedrigeren Geschwindigkeiten ab und zu einen Satz nach vorne gemacht habe, wenn ich in einem ungünstigen Drehzahlbereich geschaltet habe. Anders könnte das natürlich im Gelände aussehen, wenn man stehend fährt und die linke Hand dann fest am Lenker lassen kann. Das kann ich aber nicht beurteilen, da ich mit der Maschine nicht im Gelände gefahren bin.

Fahrverhalten

Die Maschine ist durch den GS-typischen niedrigen Schwerpunkt spielend zu fahren. Trotz ihrer beachtlichen 249 kg bei voller Betankung ist die R1250GS wendig wie ein Wiesel und kippt äußerst leicht in die Kurven. Ich bin nicht der größte Kurvenräuber der auf der letzten Rille fährt, aber mit diesem Motorrad bin ich sofort in eine Schräglage gegangen, die nochmal ein paar Grad über dem liegt, was ich sonst so fahre. Das mache ich u.a. daran fest, dass die Angststreifen deutlich schmaler sind als bei meiner Tiger (die übrigens kürzlich neue Schlappen bekommen hat und die Reifen daher eine ähnliche Laufleistung hinter sich haben wie die der R1250GS).

Wie oben schon erwähnt ist Leistung nie ein Problem. Die 136 PS und 143 Nm schieben die GS in jeder Lebenslage zügig voran. Selbst im sechsten Gang ist noch genügend Beschleunigungsreserve vorhanden. Das kommt natürlich mit einem kleinen Nachteil: Man wird schnell zu schnell. Dies hat auch mein Freund Joerg erfahren, der vor ein paar Monaten die R1250GS beim Hannoveraner Händler probe fuhr. Ziehst Du einmal am Kabel, schon hast Du 70 km/h auf dem Tacho. Innerorts ist also Zurückhaltung angesagt.

Design

Mein Exemplar ist in der sportlichen HP-Lackierung in den BMW-Farben weiß/blau/rot gehalten. Alleine vom fotografischen Standpunkt her ist die Maschine ein Augenschmaus. Die goldenen Felgen harmonieren mit der Lackierung und geben zusammen mit dem schwarz/grau der Motorteile ein stimmiges Bild ab. Die R1250GS wirkt modern, jung, sportlich. Mit der Optik der älteren GS-Modelle habe ich lange gehadert, da sie oft grau in grau und für mein Empfinden zu bieder gehalten wurden. Oder, wenn Farbe dabei war, diese nur am Schnabel und dem oberen Bereich des Tanks zu finden war. Das wirkte auf mich oft wie ein farbliches Alibi. Aber mit der GS Rallye im letzten Jahr kamen die erfrischenden Farbtupfer (blau lackierter Rahmen), welche das Motorrad optisch deutlich aufwerteten.

Koffer

Meine Testmaschine wart mit den Variokoffern von BMW ausgestattet. Die Montage erfolgt kinderleicht: Einhängen in die dezent untergebrachten Kofferhalter, Arretierhebel runterdrücken, fertig. Die Montage und Demontage der Koffer ist in jeweils maximal zehn Sekunden erledigt. Übrigens bedeutet „Vario“, dass die Koffer ein variables Volumen haben. Braucht man mehr Stauraum, kann man in den Koffern einen Bügel umlegen, welcher dann über eine Mechanik die Kofferschale teleskopartig auseinanderfahren lässt. Der rechte Koffer (an der Auspuffseite) fasst somit 20-29 l, der auf der linken Seite 30-39 l.

FAZIT: Ein starkes Motorrad, das viel Fahrspaß verspricht und einfach zu handhaben ist. Leistung ist satt vorhanden und nicht umsonst ist die GS das Abenteuermotorrad schlechthin.

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