Lange habe ich nichts mehr auf den Blog gestellt, und das hatte seinen Grund. Denn Ende 2019 sind wir umgezogen und es gab viel zu tun mit dem Umbau des neuen Zuhauses, dem Umzug selbst und vielen anderen Dingen, die mit so einer Veränderung einher gehen. Fotografisch habe ich etwas zurückgefahren und nicht mehr viele Shootings gemacht, aber dafür konnte ich einen lang gehegten Traum umsetzen.

Die Vorbesitzer hatten ein Wohnmobil und dafür die Garage erweitert. Eine 9 m lange und 4 m hohe Garage schreit förmlich nach einem eigenen Studio, und so habe ich in den vergangenen Monaten intensiv daran gearbeitet.
So sah das Ganze zu Beginn der Arbeiten aus:

Ein Studio besteht im Grunde aus zwei Grundsystemen (ich spreche arg vereinfacht): dem Hintergrundsystem und der Lichttechnik. Das Hintergrundsystem ist in diesem Fall eine fest installierte Hohlkehle. Dies ist eine Trockenbauwand, welche mit einem 40 cm Radius sanft von der Senkrechten in die Waagerechte übergeht. Dadurch gibt es keine harten Kanten im Bild und die fotografierten Objekte stehen vor einem sauberen Hintergrund. In diesem Blogpost soll es ausschließlich um das Hintergrundsystem gehen.

Die Konstruktion ist einfach, aber arbeitsintensiv. Zunächst benötigt ihr ein Holzgerüst, an welchem die Rigipsplatten befestigt werden können. Dieses Gerüst installierte ich an einer bereits bestehenden Empore (oftmals wird dies an der Rückwand des Raumes gemacht. Da in der Garage aber auch noch die Fahrräder der Familie parken müssen, bot sich die Empore an).

Danach habe ich die Rigipsplatten installiert. Da es meine erste Trockenbauwand war, habe ich auch direkt einen Fehler gemacht und die Platten hochkant angeschraubt. Normalerweise schraubt man sie quer an wie ich nachher erfuhr, denn damit wird die Wand stabiler. Naja, wer arbeitet, macht halt Fehler.

Die Spanten der Hohlkehle habe ich aus Sperrholzplatten gesägt, die ich dann an der Wand befestigte. Abgedeckt wurde dieses Gerippe mit MDF-Platten (kennt ihr von Möbelrückwänden). Alles wurde fest verschraubt und auf dem Fußboden mit einer ordentlichen Portion Haftkleber aus der Kartusche befestigt.

Bis hierhin war alles lustig. Dann kam der fiese Teil. Diese ganze Konstruktion muss nämlich verspachtelt und geglättet werden, damit später auf den Fotos keine Unregelmäßigkeiten im Lichtverlauf entstehen. Das ganze geht mit mehreren Spachteldurchgängen. Spachteln, trocknen lassen, schleifen, nachspachteln. Auch hier habe ich wieder einen Anfängerfehler gemacht und direkt mit Feinspachtel gearbeitet. Normalerweise sollte man zuerst einen Füllerspachtel nehmen (der schrumpft nicht so beim Trocknen) und dann erst den Feinspachtel. Okay, halt ein zweites mal Lehrgeld bezahlt).

Nervenaufreibend war das Modellieren der Übergänge an den MDF-Platten. Hier musste ich mit Spachtelmasse den Übergang sanft gestalten. Das ist gar nicht so einfach wie es sich anhört und hat mich einiges an Nerven gekostet, denn es wurde nie gleichmäßig (wie gesagt, erstes Trockenbauwandprojekt). Am Ende hat es dann aber zum Glück doch geklappt und ich konnte alles in Ruhe trocknen lassen.

Der letzte Schritt war das Grundieren und Streichen mit weißer Farbe. Das ging dann zur Abwechslung mal ganz einfach. Und schon war es Zeit für das erste Shooting! 

Da die Lichttechnik (eine 2,5×1,5 m große Lichtbank) noch nicht fertig ist, habe ich mir mit zwei Softboxen und Striplights beholfen, was auch schon ganz gut funktionierte.

Als nächste Schritte werde ich die Lichtbank über dem Studio installieren und den gesamten Garagenboden mit einer Epoxidharz-Beschichtung ausstatten (die Wandfarbe wird sehr schnell schmutzig wie ich feststellen musste). Aber fürs Erste bin ich schon einmal begeistert und freue mich drauf, für euch in diesem Studio eure Motorräder zu fotografieren!