Da man ständig seinen Horizont erweitern soll, habe ich zur Abwechslung mal etwas mit vier Rädern fotografiert. Ich habe mich lange vor der Autofotografie gescheut. Zum Einen, weil mein Herz eindeutig für Motorräder schlägt und Autos bei mir eher unter “damit fährt man halt von A nach B” rangieren (ich weiss, ist nicht besonders Deutsch). Mein Zögern lag aber auch darin begründet, dass Autos einen Tacken anspruchsvoller sind in der Ausleuchtung als Motorräder. Sie sind größer, vor allem aber haben sie größere zusammenhängende Flächen, die herrlich alles in der Umgebung Stehende reflektieren.

Und um direkt ins kalte Wasser zu springen, war der zu fotografierende VW Golf auch noch schwarz lackiert. Für einen Fotografen bedeutet was: Darin spiegelt sich ALLES. Schwarz kann man nicht beleuchten oder aufhellen wie z.B. einen roten oder blauen Lack. Man ist auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, die störenden Spiegelungen durch Wahl der Umgebung zu minimieren bzw. später in post alles zu retuschieren.

Das Equipment

Da ich aufgrund des schwarzen Lackes keine Chance hatte, das Auto vernünftig mit Blitzen auszuleuchten, bin ich mit leichtem Gepäck losgezogen. In meinem Rucksack waren die Sony Alpha 7 III, das Sony 24-70 GM f/2.8, das Sony 70-200 GM f/2.8 sowie das Sigma 14-24 f/2.8 Art. Sehr wichtig ist in diesem Fall ein Polfilter, welcher einen Teil der Reflektionen auf Glas und Lack eliminieren kann, in meinem Fall ein B&W Käsemann 77 mm zirkularer Polfilter. Dieser passt aber leider nur auf das 70-200 mm, da das 24-70 mm ein Filtergewinde von 82 mm besitzt (da braucht ihr dann einen Polfilter mit 82 mm Filtergewinde) und das Weitwinkel von Sigma überhaupt keinen Polfilter nutzen kann aufgrund der starken Krümmung der Frontlinse. Als Stativ war mein Manfrotto 055 Carbon Stativ dabei mit dem Novoflex MagicBall Kugelkopf. Und last but not least wollte ich am Ende des Tages noch ein paar Lightpainting Aufnahmen machen mit dem Yongnuo YN 360 LED-Leuchtstab

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Das Shooting

Zunächst möchte ich die Funktion eines Polfilters und seine Bedeutung noch einmal erläutern. Licht besteht aus elektromagnetischen Wellen, welche in unterschiedlichen Ebene Schwingen. Bildlich gesprochen: Wenn Licht auf Dich zukommt, schwingt ein Teil von links nach rechts, der andere Teil von oben nach unten (das ist sehr stark vereinfacht, klar?). Ein Polfilter ist eine Art Gitter, welches nur Licht einer bestimmen Orientierung durchlässt. Dieser Effekt wird genutzt, um Reflektionen auf spiegelnden Oberflächen zu minimieren. Etwas ausführlicher und genauer könnt ihr das auf Wikipedia nachlesen.

Zur Verdeutlichung habe ich diese beiden Bilder gemacht. Ihr seht, wie stark die Reflektionen auf den Türen reduziert werden, wenn der Polfilter in die richtige Stellung gedreht wird.

Wir begannen mit dem Shooting in der Abendsonne. Wenn das natürliche Licht stimmt, braucht man ja kein künstliches Licht. Da ich am Licht nichts ändern konnte, gab es mir die Gelegenheit, mich voll und ganz auf den Bildaufbau zu konzentrieren. Welche Winkel, welche Hintergründe, welche Perspektiven etc.

Zuerst habe ich von dem Golf Aufnahmen vor dem gleichen Hintergrund aufgenommen und das Auto nach jedem Bild um ca. 45 Grad gedreht. Dadurch hatten wir schon einmal aus jedem Winkel eine Aufnahme und somit eine Art “Sicherheitsbasis” (Nach dem Motto, wenn jetzt was passieren sollte und das Shooting abgebrochen werden muss, haben wir schonmal was).

Anschließend sind wir zu einem großen Parkplatz in der Nähe gefahren und haben dort die extrem tief stehende Sonne für Gegenlichtaufnahmen genutzt. Beachtet, wie sehr sich der Bildstil ändert, wenn die Sonne direkt im Bild ist (links) und wenn sie nicht im Bild (Mitte) oder nur angeschnitten wurde (rechts). Gegenlichtaufnahmen zum Sonnenuntergang bedeuten immer, dass das Motiv erst einmal dunkel herauskommt. Erst in der Nachbearbeitung können die Details aus den Tiefen gehoben werden.

Die Alternative wäre gewesen, gegen die Sonne anzublitzen, aber da der schwarze Lack alles Licht geschluckt hätte, war dies keine echte Option.

Grundsätzlich gelten bei Autos ähnliche Regeln wie bei Motorrädern: Ein tiefer Aufnahmewinkel ist oft vorteilhaft, nicht allzu weitwinklig fotografieren, auf den Hintergrund achten. Auf diesem Parkplatz gab es zudem sehr viele Bodenmarkierungen, so dass wir darauf geachtet haben, das Auto so zu positionieren, dass die Markierungen nicht das Bild störten.  

Nach Sonnenuntergang war es dann Zeit für Lightpainting mit dem Yongnuo LED Stick. Bei dieser Technik wird die Kamera auf dem Stativ montiert, das Bild fokussiert und dann der Autofokus abgeschaltet, um immer den gleichen Bildausschnitt zu erhalten.

Dann wird während einer mehrsekündigen Belichtung der LED-Stick über verschiedene Teile des Autos geführt. Auf jedem Bild sind nun Lichtspuren zu sehen, aber auch Spiegelungen im Lack des Autos. Die Kunst ist es nun, die Spiegelungen dort zu platzieren, wo sie die Konturen des Wagens hervorheben. Das sind sinnigerweise die Kanten und Ecken auf der Karosserie.

Das ganze ist mehr oder weniger try-and-error sowie Erfahrung. Für das folgende Bild habe ich z.B. 26 Einzelaufnahmen gemacht, wovon ich aber nur acht in der Nachbearbeitung verwendete. 

Fazit

Ein Auto zu fotografieren war mit nur natürlichem Licht nicht viel anders als das Fotografieren eines Motorrades. Bildaufbau und Perspektive müssen stimmen, Location und Hintergrund passen. Herausfordernd war das beleuchten des schwarzen Autos später mit der Lightpainting-Methode. Hier zeigte sich, dass ich da noch viel Übung brauche, um treffsicher solche Bilder reproduzieren zu können. Das Ergebnis finde ich in aller Bescheidenheit gelungen, aber es gibt ja bekannterweise immer Raum nach oben.