Die Astrid von den LA-Bikern (nicht Los Angeles, sondern Langenhagen) hat ihrem Papa Bernd zum Geburtstag ein Fotoshooting geschenkt. Bernd fährt eine BMW R90S Baujahr 1976. Er und seine Frau Gerlinde sind damit schon viel rumgekommen und haben unter Anderem mehrfach Norwegen mit der Maschine bereist. Es kommt nicht alle Tage vor, dass das Motorrad älter ist als der Fotograf 🙂

Besonders gefreut hatte mich, dass Bernd direkt eine Location vorgeschlagen hatte, die Eichenkreuzburg nördlich von Hannover. Dies ist ein 1928 im Stil einer kleinen Burg errichtetes Gebäude, welches heute als Jugendherberge dient. Aufgrund der Pandemie war diese aber geschlossen, so dass wir ungestört an dem Ort arbeiten konnten.

Der fotografischen Bildungsmission dieses Blogs folgend möchte ich heute daher auf die Unterschiede beim Fotografieren mit Blitzlicht und mit natürlichem Licht eingehen. Beide Herangehensweisen haben ihre Existenzberechtigung, führen aber zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen.

Fotografieren mit natürlichem Licht
Zunächst habe ich ohne Blitze fotografiert. Im unbearbeiteten Original war der Himmel dabei sehr hell und der Vordergrund mit den drei schönen Bs (Burg, Bike, Bernd) sehr dunkel. Die Kamera versucht, eine optimale Belichtung hinzubekommen. Da der Unterschied zwischen hellem Himmel (viel Licht) und dunklem Bike (wenig Licht) aber sehr groß ist, kommt der Dynamikumfang der Kamera an seine Grenzen. Es entsteht ein Kompromiss, bei welchem der Himmel nicht ganz so grell, der Vordergrund nicht ganz so stockdunkel ist. In der Nachbearbeitung musste ich den Himmel abdunkeln und den Vordergrund aufhellen. 

Anders sieht es bei Fotos aus, bei welchen kein Himmel im Hintergrund zu sehen ist (und somit der hell/dunkel-Kontrast nicht so stark ist). Bei diesen beiden Einstellungen oben ist jeweils kein Himmel im Hintergrund zu sehen, so dass die Kamera nun einen geringeren Dynamikumfang sieht und eine weniger extreme Belichtung einstellen kann. Auch hier musste ich ein wenig nachbearbeiten, bin bei weitem aber nicht so an die Grenzen der RAW-Datei gegangen wie beim ersten Beispiel (Merke: RAW ist das unkomprimierte Bildformat bei Digitalkamera. Jeder Pixel wird so abgespeichert wie aufgenommen und es geht keine Information verloren wie beim verlustbehafteten JPG-Format).

Fotografieren mit Blitzlicht
Durch den Einsatz von Blitzlicht hat man die Möglichkeit, das Bike gezielt hervorzuheben und den Hintergrund der Szene etwas dunkler zu lassen. Der Aufwand an Equipment und Zeit ist natürlich um ein Vielfaches höher, aber dafür sind die Ergebnisse auch eben etwas Anderes. Ich nutze mittlerweile zwei große akkubetriebene 600 Ws Studioblitze von Godox, welche durch eine 40×200 cm Softbox feuern, um eine möglichst große Lichtfläche und somit weiches Licht zu erhalten. Große Softboxen und schwere Blitze benötigen auch die entsprechenden Stative, und daher kommen bei mir zwei schwere Jinbei M6 Stative zum Einsatz. Diese sind robust, haben einen integrierten Boomarm und vor allem Rollen, was das Bewegen der Stative stark vereinfacht. Durch die große Standfläche und das hohe Gewicht von ca. 17 kg pro Stativ ist auch eine gute Standsicherheit gegeben (große Softbox = großes Segel sobald Wind aufkommt).

Ich mische bei meinen Shootings immer Aufnahmen mit “nur” verfügbarem Licht und Blitzlicht, um eine größere Vielfalt in den Aufnahmen zu erzielen. Mein Freund Don Kates aus den USA (Profi-Motorradfotograf) ist da etwas konsequenter unterwegs, ohne Blitze zieht er erst gar nicht zu einem Shooting (es sei denn, es sind Events oder Fahraufnahmen). Schaut mal auf seine Seite Shooters Images, das ist Motorradfotografie auf allerhöchstem Niveau!

Zu jedem Shooting gehören auch ein paar Detailaufnahmen. Die sind besonders bei so einer Maschine mit Charakter und Geschichte notwendig! Das Foto vom Boxerzylinder ist ohne Blitz entstanden, das mit dem R90S-Logo mit Blitz.

Blitzfotografie, aber komplex
Die bisher gezeigten Bilder mit Blitzlicht sind Einzelaufnahmen: Licht einrichten, einmal auf den Auslöser drücken, Blitze machen Plopp, Bild nachbearbeiten, fertig. Wenn man nun aber alle Details einer Maschine würdigen möchte, benötigt man eine andere Herangehensweise. Aufgrund der vielen Ecken, Kanten, Vorsprünge etc. an einem Motorrad kommt nicht immer genügend Licht an alle relevanten Teile. Beispiel: Kommt das Blitzlicht von oben, kriegt die Unterseite der Boxerzylinder wenig bis kein Licht ab. Diesem kann man entgegenwirken, indem man einen Reflektor auf den Boden legt. Dieser hellt dann einen Teil der Unterseite auf und hebt Details hervor. Flippt mal durch die folgende Galerie und betrachtet die Unterseite der Maschine. Ihr werdet sehen, wie der Reflektor am Boden immer an einer anderen Stelle der Unterseite die Details aufhellt.

Hier ist die Nachbearbeitung aufwändiger. Ich kombinierte diese Einzelbilder und nahm mir von jedem Foto immer nur die Stelle mit den aufgehellten Details, die ich benötigte. Zusammen mit einem Basisfoto ohne Reflektor entstand so das gesamte Bild, zusammengesetzt aus mehreren Aufnahmen, welches auch das Titelbild dieses Artikels ist.

Wenn ihr euch in das Thema Motorradfotografie (mit oder ohne Blitz) weiter einsteigen möchtet, könnt ihr dies und noch viel mehr in meinem Buch “Motorräder fotografieren” nachlesen. Oder ihr bucht ein Einzel- oder Gruppencoaching, in welchem wir zusammen eure Fragen klären und gemeinsam daran arbeiten, wie ihr noch bessere Motorradfotos erstellen könnt. Schreibt mir eine email, ruft an unter der oder schreibt per WhatsApp (Kontaktdaten hier)!