Seitdem ich mein eigenes Studio für Motorradfotografie habe frage ich mich, wie andere Fotografen im Studio arbeiten, welchen Workflow sie etabliert haben und wie sie an Aufgabenstellungen herangehen. Ende Oktober habe ich daher eine Bildungsreise unternommen und meinen Freund Ivo in London besucht, um mit ihm zusammen im Studio zu arbeiten. Ich kenne Ivo schon seit einigen Jahren aus einem Forum für Motorradfotografie. Er arbeitet als professioneller Fotograf und schafft Bilder auf allerhöchstem Niveau. Seine Arbeit findet ihr unter imagefactory-studio.com. Wir hatten uns ab und zu über fotografische Themen ausgetauscht, aber nie im echten Leben getroffen.

Über ein verlängertes Wochenende flog ich in die britische Hauptstadt und lernte Ivo persönlich kennen. Nach einem ersten gemeinsamen Abendessen im Bikercafé The Bike Shed starteten wir am folgenden Morgen mit der Arbeit. Vor der Kamera stand seine eigene Triumph Bonneville.

Im Laufe des Nachmittages haben wir uns den Setup für dieses Bike erarbeitet. Ich fasse der Einfachheit halber zusammen, mit was wir am Ende gearbeitet haben:

Als Hintergrund wählte ich eine schwarze Pappe, die über ein normales Hintergrundsystem aufgeständert wurde. Da ich in meinem eigenen Studio einen weißen Hintergrund verwende, war dies mal etwas Neues für mich. Über der Maschine waren zwei schmale, lange Blitzröhren aufgebaut, senkrecht nach unten gerichtet. Um das Licht zu kontrollieren haben wir große schwarze Pappen an die Blitze gehangen. Dies half dabei, das Licht auf die Maschine zu fokussieren und nicht die gesamte Umgebung mit zu beleuchten.

Das Licht von oben beleuchtet aber logischerweise auch nur die Flächen, welche nach oben gerichtet sind – die Seiten der Maschine bleiben dunkel.

Daher haben wir zwei großflächige Reflektoren aus Styropor aufgestellt, welche Licht auf die Seiten der Maschine reflektierten. Vergleicht das Bild unten mit dem über diesem Absatz, um den Unterschied zu sehen.

Die Kamera wurde per Kabel vom Rechner her ausgelöst, so dass die Bilder direkt an einem großen Monitor begutachtet werden konnten. Dies ist in der Studiofotografie ein wichtiges Element. Wenn man feine Details herausarbeiten möchte, auf Präzision achtet und die perfekte Beleuchtung erreichen will, reicht das kleine Kameradisplay nicht zur Beurteilung aus.

Unten seht ihr ein paar Beispielbilder aus der Serie. Nach einer Basisbelichtung wurde mit einer großen, weißen Reflektorkarte Licht gezielt auf verschiedene Stellen der Maschine geleitet. Aus diesen Einzelbildern wurde dann später am Rechner ein Gesamtbild zusammengesetzt (Randnotiz – An dem Wochenende exakt EIN Studiofoto der Bonneville entstanden. Der Fokus lag auf dem Lernen, nicht auf der Produktion von Content).

Die Nachbearbeitung habe ich dann wieder daheim am heimischen Rechner durchgeführt. Ich habe Ivo ein paar Zwischenversionen des Bildes geschickt und immer wertvolles Feedback bekommen, was mir sehr geholfen hat. Die Bearbeitung war unter Anderem deshalb so aufwändig, da ich die gesamte Maschine über Pfade freistellen musste. Das hat gedauert, da die Bonneville Speichenräder besitzt und jeder einzelne Freiraum zwischen den Speichen freigestellt werden muss. Um einen absolut sauberen Hintergrund zu erhalten, wurde dieser in Photoshop getauscht. Der Schatten unter dem Bike musste ebenfalls künstlich erzeugt werden.

Dieser Level an Nachbearbeitung war für mich neu. Ich habe in meine Studiofotos bislang auch viel Zeit und Energie gesteckt, aber so detailgenau und präzise habe ich bislang noch nicht gearbeitet. Da war es unbezahlbar, das Feedback von einem erfahrenen Profi zu erhalten. Ich habe Fehler und Imperfektionen gesehen, die ich vorher einfach nicht wahrgenommen habe.

Und hier ist nun das finale Bild:

FAZIT

Es war ein unfassbar bereicherndes Erlebnis. Unter professioneller Anleitung im Studio zu arbeiten, Feedback von einem erfahrenen Profi zu erhalten und das eigene Bild so schrittweise immer weiter zu verbessern – eine tolle Erfahrung.
Als netten Bonus hatte ich zwei Abende in London, an denen ich die Stadt ein bisschen erkunden konnte. Das tat nach zwei fast zwei Jahren Pandemie ebenfalls unendlich gut. Mal etwas anderes sehen, ein anderes Land erleben, in einer anderen Sprache unterwegs sein. Ich hoffe, dass irgendwann der Zeitpunkt kommt, an welchem wir wieder unbeschwerter bewegen und reisen können. Für diesen Zeitpunkt habe ich schon weitere Ideen für fotografische Reisen im Kopf.

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