Ich habe einen Soft Spot für Sportmaschinen und bin daher die neue S1000RR auf den BMW Motorrad Days Probe gefahren.

DISCLAIMER 1: Ich bin diese Maschine nur zwei Stunden gefahren und dabei seeeeeehr weit hinter dem zurückgeblieben, was mit dem Motorrad spielend geht (z.B. Stichwort Schräglage). Von daher ist dieses “Review” eher als “erster Eindruck” zu verstehen denn einem wirklich aussagekräftigen Test.

DISCLAIMER 2: Ich hatte auf der Fahrt nur mein Smartphone dabei und der Fokus lag auf dem Fahren, so dass ich von der roten RR leider nur ein paar mittelmäßige Schnappschüsse habe. Ich bitte, dies zu entschuldigen.

Die neue S1000RR in rot. Ein wunderschönes Design, was jedoch leider durch die gigantische Abgasanlage etwas geschmälert wird.

Design. Mit der 2019er Version hat BMW mit einem Designgrundsatz gebrochen und der Maschine symmetrische Scheinwerfer spendiert. Das ist aus meiner Sicht eine deutliche Verbesserung, denn mit dem unsymmetrischen Look der Scheinwerfer konnte ich mich persönlich nie so recht anfreunden.

Es scheint, dass sich BMW von einigen Designgrundsätzen verabschiedet, denn auch die charakteristischen Haifischkiemen der RR sind zwar noch vorhanden, aber recht unauffällig gestaltet (schwarz auf schwarz), sowohl bei der roten als auch der blau/weiss/roten RR.

Es gibt die Maschine in zwei Lackierungen: Rot und weiß/blau/rot, den klassischen BMW-Rennsportfarben. Letztere Lackierung gibt es allerding nur in Kombination mit dem M-Paket, welches die Maschine noch mehr auf Racing trimmt: Carbonräder, Fahrmodi Pro, leichtere Batterie, Sportsitz.

Unterm Strich: Die RR ist eine saustark designte Maschine. Schaut euch einfach Fotos an, da muss ich eigentlich nix mehr zu schreiben.

Motor. Die wichtigste Neuerung ist aber wohl die Einführung Shift Cam am Motor. Diese innovative Technologie ist auch an der BMW R1250GS zu finden, welche ich vor den Motorrad Days eine Weile fahren durfte. Dieser sorgt dafür, dass die Ventile des Motors im unteren Drehzahlbereich mit einem anderen Nockensatz angesprochen werden als im höheren Drehzahlbereich. So ist die Leistungsabgabe des Motors noch sanfter und gleichmäßiger.

Wir sind auf der zweistündigen Tour durch die Garmischer Berglandschaften gefahren und hatten Kurven satt. Was mir besonders aufgefallen ist: Ich habe die meiste Zeit nur das Sirren der Ventile bzw. Steuerkette gehört und wenig vom Auspuff. Dieser macht sich erst beim Aufdrehen des Motors bemerkbar (was auf der kurvigen Strecke und in der Kolonne natürlich nicht so wirklich ging). Die neuen Abgasvorschriften, welche leider auch zu einer eher unschön großen Abgasanlage führen, bringen auch die Lautstärke der Maschine nach unten.

Dass die RR mit über 200 PS Leistung satt hat, muss nicht besonders erwähnt werden. Ich bin das Motorrad sehr weit unterhalb dessen gefahren, was es eigentlich kann, und das ist nochmal eine starke Untertreibung an sich. Für mich war die Sitzposition auf der Maschine ungewohnt, da ich weit nach vorne gebeugt saß (typische Supersportlerhaltung eben), das bin ich von der Tiger natürlich nicht gewohnt. Leider habe ich es vollkommen versäumt, beim Kurven fahren das Gewicht mit zu verlagern. Ich bin wie gewohnt primär über Drücken des Lenkers in die Kurve gegangen und habe kein Hangoff gemacht, was bei einer Sportmaschine angebracht gewesen wäre. Daher waren meine Schräglagen auch nicht wirklich berühmt. Ungewohntes Bike, andere Fahrtechnik erforderlich, viel mehr Leistung als ich sie gewohnt bin und vor allem nicht mein Bike => da fahre ich lieber defensiv.

Ergonomie und Bedienung. Die Sitzposition ist typisch für diese Art Motorrad, aber ich hatte in den zwei Stunden mit meinen 186 cm Göße keine Probleme. Ich kann mir gut vorstellen, dass eine Tagestour am Ende doch ihre Spuren in den Gelenken hinterlässt, aber für die Langstrecke ist das Motorrad ja auch nicht gebaut worden.

Im Cockpit findet sich ein großer TFT-Screen, auf dem sämtliche Daten angezeigt werden können. Das Display ist gut lesbar und dank des BMW-Daumenrades am linken Lenkerende gut bedienbar.

Die Maschine war mit einem QuickShifter ausgestattet, was hier auch absolut Sinn macht. Du brauchst die Kupplung nur noch zum Anfahren und kannst den Rest der Schaltvorgänge mit dem Fuß erledigen, während die Hand fest am Lenker bleibt. Die R1250GS hatte den QuickShifter auch, aber hier hatte sich mir der Sinn nicht so recht erschlossen (meine Meinung).

Fahrverhalten. Die zwei Stunden führten in die kurvige Berglandschaft rund um Garmisch mit sehr guten Straßenbelägen. Die Fahrt war daher sehr sanft, das Fahrwerk musste nicht zu viel Gerumpel wegfedern. Da ich leider mit der falschen Kurventechnik gefahren bin (nur Drücken statt Hangoff) kam ich nicht so flott um die Ecke wie meine Mitfahrer. An dieser Stelle des Reviews muss ich auch einfach zugeben, dass ich keine genaueren Aussagen machen kann, da mir hierzu die Fahrpraxis auf Sportmaschinen fehlt.
Unterm Strich: Ich bin gut mit der MAschine klargekommen, die Leistung lässt sich fein dosieren (sehr wichtig bei so viel Power!), und mit der richtigen Kurventechnik kommt man auch flotter voran als ich.

FAZIT. Die 2019er BMW S1000RR ist ein Superbike der Spitzenklasse. Mit über 200 PS hat es mehr Leistung, als mutmaßlich 95% der Fahrer effektiv abrufen können. Durch ShiftCam hat die Maschine eine gleichmäßige Leistungsabgabe, zusätzlich ist sie vollgestopft mit elektronischen Helfern wie ABS, Traktionskontrolle, Wheeliekontrolle etc. pp. Das Design ist wie von der RR gewohnt sportlich/dynamisch, wobei BMW sich von ein paar Grundsätzen verabschiedet und die Kiemen z.B. in den Hintergrund rückt und symmetrische Scheinwerfer einführt. Einziger Minuspunkt aus meiner Sicht ist die grässlich große Abgasanlage, welche optisch sehr viel Platz einnimmt. Die gesetzlichen Vorgaben sind nun einmal so wie sie sind, aber vielleicht lässt sich da mit der nächsten Produktiteration eine Verbesserung herbeiführen.
Finaler Schlussstrich: Geiles Bike, macht Spaß zu fahren!