Wenn man ein Studio auf das Nötigste reduziert, besteht es aus zwei Hauptkomponenten: dem Hintergrundsystem und der Lichttechnik. Um das Hintergrundsystem (Bau der Hohlkehle) habe ich mich schon in dem ersten Teil dieser Blogreihe gekümmert. Mit dem Hintergrundsystem konnte ich schon ein erstes Test-Shooting machen, die Beleuchtung erfolgte wie bei Shootings on Location mit batteriebetriebenen Studioblitzen und zwei großen Striplights. In diesem Artikel geht es um alle Restarbeiten, welche das Studio komplettierten.

Den Boden beschichten
Der Boden gehört auch irgendwie zum Hintergrundsystem, weil er sich in dem Lack der Maschinen spiegelt. Eine Erkenntnis aus diesem ersten Shooting war, dass ich daher die gesamte Garage weiß streichen muss. Wenn nur ein kleiner Teil des Bodens weiß gestrichen ist und der Rest grau bleibt, spiegelt sich das im wahrsten Sinne des Wortes auch im Lack wieder, wie das folgende Foto zeigt.

Außerdem musste ich feststellen, dass die verwendete Wandfarbe wahnsinnig schnell Schmutz aufnimmt und dieser dann auch nicht einfach entfernbar ist. Wandfarbe besitzt offene Poren, in welchen sich der Dreck wunderbar festsetzt. Bislang verwenden alle Motorradfotografen, mit denen ich gesprochen habe, normale Wandfarbe für den Boden des Studios. Zitat: “Alle drei bis vier Shootings spätestens musst Du neu streichen. Das gehört halt dazu”.

Achtung: Wenn ihr ein Studio für Portrait- oder Produktfotografie baut, ist Wandfarbe auch völlig ok. Aber die besondere Beanspruchung durch pechschwarze Reifen und schweren Maschinen braucht halt eine besondere Lösung.

Ich habe mir fachkundige Hilfe hinzugezogen und zusammen mit einem befreundeten Maler das Problem besprochen. Dieser empfahl mir eine matte Epoxy-Beschichtung, welche eine geschlossene Oberfläche aufweist und somit besser abwaschbar ist. Das ganze ist leider nicht ganz günstig, aber da die Garage ja auch weiterhin zum Parken unseres Autos verwendet wird und somit nicht nur Motorräder mit ihren Reifen über den Boden rollen, habe ich in den sauren Apfel gebissen.

Zuerst mussten wir den Boden komplett abschleifen, um ihn für die Beschichtung vorzubereiten. Dann haben wir in zwei Schichten die Epoxy-Beschichtung aufgetragen. Zum Einsatz kam ein Produkt der firma watco, und zwar “Epoxyguard Matt beste Formel” in RAL 9010. Das ist ein wasserbasiertes Epoxy-System. Es wird angemischt (Farbe und Härter) und kann dann wie normale Farbe verarbeitet werden.

Achtung: Es gibt auch Epoxy-Systeme, welche selbstnivellierend sind. Diese werden als flüssige Masse ausgegossen und verteilen dann gleichmässig in jede Ecke. Diese Epoxy-Systeme sind nicht dazu geeignet, eine senkrechte Wand zu beschichten, da die Farbe sofort wieder runterläuft. Achtet bei der Auswahl dringend darauf, dass sich das System wie eine normale Farbe mit Rolle und Pinsel verarbeiten lässt!

Zwischendrin habe ich noch den Großteil der nackten, unverputzten Wände mit etwas Gips bearbeitet, um die Oberfläche der Porenbetonsteine zu schließen und die kleinen Ritzen im Mauerwerk zu überdecken. Abschließend habe ich alle Wände (mit Wandfarbe) weiß gestrichen. Dies reduziert die Anzahl der potentiell störenden Spiegelungen weiter und gibt dem ganzen Studio einen professionelleren Look.

Das Schienensystem
Um die Lichtbank aufhängen zu können, musste ich ein Schienensystem an der Decke installieren. Theoretisch hätte es auch ein einfacher Haken getan, aber da ich die Lichtbank flexibel nach vorne und hinten schieben können wollte, habe ich mich für die Schienenlösung entschieden.

Nach einiger Recherche bin ich auf eine günstige Lösung gekommen, und zwar beschaffte ich ein Beschlagsystem für Rolltore von der Firma Woelm GmbH. Das System nennt sich “Helm” und es gibt verschieden starke Schienen und Laufwagen (“Rollapparate” genannt). Für meine Zwecke reichte das kleinste System aus (Profil 100), ich wählte zwei Rollapparate, um die Lichtbank aufzuhängen.

Da die Garage ein Schrägdach hat und die Balken somit um ca. 7 Grad geneigt sind, sägte mir ein befreundeter Zimmermann ein paar Holzkeile mit genau diesem Winkel zu. Diese schraubte ich an die Deckenbalken, um die Neigung auszugleichen und eine horizontale Montagefläche zu erhalten.

An diesen Keilen montierte ich dann die Halteklammern, in welche die Schiene gesteckt wird, führte die beiden Rollapparate in die Schiene ein und verschloss beide Schienenenden mit Gummistoppern.

Zum Heben und Absenken der Lichtbank habe ich eine elektrische Seilwinde besorgt, welche in einem ersten Schritt direkt an der Schiene befestigt wurde. Dies stellte sich nach der ersten Installation der Lichtbank aber als unpraktisch heraus, da die Winde mit allen Halteklammern und anderen Aufbauten zuviel Höhe nahm und die Lichtbank somit zu tief hing. Ich lokalisierte die Seilwinde also im hinteren Bereich des Studios und installierte Umlenkrollen zur Führung des Stahlseils.

Die Lichtbank
Das Herzstück des Studios ist eine ordentliche Lichtanlage. Und hier wollte ich endlich den großen Wurf machen und eine große Lichtfläche für perfekte Ausleuchtung schaffen. Bei der Konstruktion der Lichtbank orientierte ich mich an einem kommerziell erhältlichen Produkt von Chimera Lighting, welches mit 4.600 USD mir aber ein bissche zu teuer war.
Die Konstruktion einer Lichtbank kann man wiederum auf drei Elemente herunterbrechen: Rahmen, Hülle und Blitze.

Der Rahmen
Über das Portal alusteck.de kann man sich auf Maß zugeschnittene Aluminiumprofile bestellen, welche nach einem Baukastensystem mit verschiedenen Verbindern zusammengesteckt werden (der Name “Alusteck” sagt das ja schon). Nach viel Zeit des Planens, Messens und Konstruierens habe ich schließlich Komponenten für ein Gestell mit einer Grundfläche von 2,5 x 1,5 m und 1 m Höhe bestellt. Die langen Seiten der Lichtbank kippen circa 15 Grad nach innen, was auch dem Original entspricht. Das Foto zeigt die Konstruktion in der Sattlerei, wo die Hülle genäht wurde (dazu gleich mehr).

Zu bedenken ist bei einem so großen Rahmen, dass er ausreichend stabil sein muss. Nun zeigte sich leider beim Zusammenbau, dass die Verbindungselemente nicht fest genug angezogen werden können, um dem Rahmen ausreichend Stabilität zu geben. Daher habe ich in den Ecken und auch an einigen Verbindungsstellen Stahlbleche montiert, welche den Rahmen aussteifen.

Die Materialkosten für die Aluminiumelemente lagen bei knapp 220 Euro. Hinzu kamen leider noch recht teure, speziell angefertigte Stahlwinkel zum Aussteifen, welche für 4 Stück noch einmal mit 100 Euro zu Buche schlugen (Bestellung einer Mindermenge bei einem industriellen Stahlbauer…). Hier wäre ich mit einer Blechschere und einer selbst gedengelten Lösung günstiger weggekommen, aber ich wollte es ordentlich haben.

Die Hülle
Um eine gute Ausnutzung der Blitzleistung und eine gleichmößige Lichtfläche zu ermöglichen, muss das Innere der Lichtbank reflektieren und nach unten hin mit zwei Diffusionsschichten ausgestattet sein. Im Grunde kennt man das von einer normalen Softbox, welche auf den Blitz gesteckt wird. In der Lichtbank gibt es jedoch einen Unterschied: Die Blitze feuern nach oben, das Licht wird an der Oberseite der Lichtbank reflektiert und durch die beiden Diffusionsschichten geleitet. Dadurch wird es gleichmäßig verteilt und es entsteht eine saubere, homogene Lichtfläche.

Den Diffusorstoff konnte ich problemlos im Internet bestellen (16 Euro für 6×1,5m), nur bei dem Material für die Hülle war es etwas komplizierter. Hier fand ich nach etwas Recherche den Hersteller eines solchen Stoffes in China über das Portal alibaba.com und bestellte direkt dort. Für 22,5 qm (15×1,5m) kostete dies inkl. Versand aus China 200 USD, was zu dem Zeitpunkt knapp 179 Euro waren.

Zum Herstellen der Hülle wendete ich mich an eine örtliche Sattlerei. Neben dem Bezug von Möbeln, Auto- und Motorradsitzen stellt der Betrieb auch passgenaue Hüllen für große Objekte her (z.B. Sportwagen). Hier schneiderten mir die Polsterer eine perfekt passende Hülle mit Klettverschlüssel auf das Gestell. Die Arbeit ist makellos ausgeführt worden, leider ist das ganze teurer geworden als vereinbart. Im Vorfeld wurde von 4-500 Euro gesprochen, leider wurden es fast 1.000 Euro. Das Nähen der Klettmechanik hat deutlich mehr Zeit in Anspruch genommen als geplant. Der Betrieb hat aber eingesehen, dass das etwas aus dem Ruder gelaufen war und hat mir einen Rabatt eingeräumt, so dass ich knapp unter dem Tausender lag. Das tat nochmal weh, aber ich habe schon Ideen, wie man das ganze im Eigenbau sehr viel günstiger bauen könnte (das wird aber ein gesonderter Blogpost).

Die Blitzgeräte
In der Lichtbank verrichten zwei leistungsstarke Blitze von von Godox ihren Dienst. Nach langem hin und her überlegen entschied ich mich für zwei Godox QT1200IIM, welche jeweils 1.200 Ws auf die Waage bringen. Das schöne an den Godox Blitzen ist, dass sie eingebaute Funkempfänger besitzen und mit allen gängigen Kameramarken kompatibel sind. Es gibt auch günstigere Varianten von Godox mit 1.200 Ws, aber die QT1200II M zeichnen sich durch eine feine Regulierbarkeit und sehr kurze Blitzdauern aus. Diese sind für Motorradfotos vielleicht nicht so wichtig, aber wenn ich mal was anderes machen möchte (Stichwort Wassertropfen einfrieren) ist dies mit den QT1200 II M möglich.

Die finale Installation
Nun war es Zeit für die Installation der gesamten Konstruktion. Die Aufhängung erfolgte über das Stahlseil der Winde, welche an einen drehbaren Karabiner geklinkt wurde, welcher wiederum mittels einer Kette am Rahmen der Lichtbank befestigt wurde. In die obere Abdeckung der Lichtbank schnitt ich noch ein Loch, um das Seil und die Kabel herauszuführen. Die Hülle breitete ich auf dem Boden aus, klappte die vier Seiten hoch und befestigte alles mit den Klettverschlüssen (komfortabel und passgenau, aber eben auch teuer…).
Und viel mehr gibt es dazu dann eigentlich auch nicht mehr zu sagen. Es blieb mir nur noch, die Lichtbank mit der elektrischen Seilwinde unter die Decke zu hieven, und dann war alles fertig.

Das Ergebnis
…kann sich sehen lassen, wie ich ganz unbescheiden finde. Die Lichtbank produziert eine absolut gleichmäßige Lichtfläche ohne Helligkeitsunterschiede. Das Konzept, nach oben zu blitzen und dann durch zwei Diffusorschichten zu gehen, hat sich bewährt. Nun steht ein professionelles Fotostudio zur Verfügung, in welchem ich Motorräder, Menschen und Produkte perfekt ausleuchten kann. Mit einer 3,1 m breiten Hohlkehle und einer lichten Höhe von 2,05 m ist viel Platz für fotografische Arbeit vorhanden. Die ersten Shootings sind bereits durchgeführt worden und viele weitere werden folgen!

Und ob ihr es glaubt oder nicht, ich habe bereits die ersten Punkte gefunden, an denen ich nachbessern oder erweitern möchte. Aber das kommt zu einem späteren Zeitpunkt…

 

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