“Wie sieht die ostfriesische Kriegsflagge aus?”
“Keine Ahnung”
“Weißer Adler auf weißem Grund!”

Dieser alte Witz beschreibt das Problem: Etwas Weißes vor etwas Weißem zu fotografieren kann problematisch sein, denn das Objekt soll sich deutlich vom Hintergrund abheben. Wie also würde ein weißes Bike in meinem Studio aussehen fragte ich mich. Da gab es nur eine Weg – ausprobieren.

 Zum Glück kenne ich Ralph, und der besitzt eine weiße Kawasaki ZX-6R Ninja. Diese eignete sich als ideales Testsubjekt. Ralph kam mit einer vorbildlich geputzten Maschine ins Studio (Erinnerung: Auf Studiofotos sieht man gnadenlos jedes Stückchen Dreck und jede Schliere vom Putzen). Lediglich die Reifen mussten wir vom Staub und Schmutz der Straße befreien. 

Die Maschine ist natürlich nicht komplett weiß wie man sieht, aber es ging ja auch darum zu prüfen, ob die weißen Kanten der Maschine sich ausreichend gegen den Hintergrund abheben. Sieht man ein Motorrad oder wundert man sich, dass da zwei Reifen und ein Motor im leeren Raum schweben war die Frage. 

Die ersten Bilder habe ich nur mit der Lichtbank gemacht. Da das gesamt Studio weiß gestrichen ist, reflektiert unheimlich viel Licht von den Wänden und dem Boden wieder zurück, um die Seiten der Maschine aufzuhellen.

Die weiße Maschine hebt sich wunderbar vom Hintergrund ab. Hierbei hilft unter anderem ein Effekt, der das”reziproke Abstandsgesetz” (inverse square law) heisst. Es besagt, dass die Intensität von Licht mit dem umgekehrt quadratisch mit dem Abstand zur Quelle abnimmt.

Nochmal langsam, was jetzt?

Es bedeutet, dass eine Verdopplung des Abstandes die Lichtmenge viertelt, eine verdreifachung des Abstandes die Lichtmenge neuntelt usw. Dies bewirkr, dass das Licht schnell an Intensität verliert. Das Bike stand knapp 1,5 m vom Hintergrund weg, die Lichtbank hat nur knapp 1 m Abstand zum Hintegrund. D.h. das Licht muss zum Hintergrund mehr Wegstrecke zurücklegen, als zum Bike, somit verliert es mehr an Intensität. Der Hintegrund erscheint also leicht grau und nicht in einem reinen Weiß. Gedankenexperiment: Schiebe den Hintergrund 20 m vom Bike weg bei gleichem Beleuchtungsaufbau, der Hintergrund wäre pechschwarz, da kein für die Kamera messbares Licht mehr dort ankommt. 

Das geglückte “Experiment” erfreute Fotograf und Ralph wie man auf diesem Bild sehen kann. Da wir die Maschine schon aus allen möglichen Winkeln abgelichtet hatten, blieb es mir nur noch, ein paar Detailfotos der Maschine zu machen. Hier habe ich mit einem handgeführten, zusätzlichen Studioblitz mit großem Striplight gearbeitet, um bei der Nahaufnahme einee Extraportion Light auf die Maschine zu lenken.

Die  Nahaufnahme des Lenkungsdämpfers von Öhlins und dem roten Einstellschalter am Bremshebel sind mit dem 52 mm Zwischenring von Hasselblad entstanden. Diese verkürzt die Naheinstellgrenze und ermöglicht ein Fokussieren auf extrem kurze Distanzen. Während die Detailschärfe atemberaubend ist, war der 52 mm Ring vielleicht etwas zuviel des Guten. Denn ich muss nun so nah rangehen, dass man die Fräsrillen in den Bauteilen erkennt. Ist zwar ganz beeindruckend, aber ein etwas größerer Bildausschnitt wäre schon praktisch. Ich glaube, ich stelle mal einen Suchagenten auf eBay ein 😉

FAZIT: Weiß auf weiß ist im Studio kein Problem. Die Maschine hebt sich wunderbar vom Hintergrund ab und eine ausreichende Differenzierung ist gegeben. Ich bin gespannt, was als nächstes ins Studio rollt!

 


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