Am 16.10.2017 ist mein Buch “Motorräder fotografieren” im dpunkt.Verlag erschienen (nähere Infos zum Buch hier, bzw. direkt bei Amazon bestellen).

Das Projekt hat mich nun insgesamt über ein Jahr beschäftigt. Die erste Idee wurde in den schottischen Highlands während meiner Reise Mitte 2016 geboren (Reisebericht Teil 1, 2 und 3), und im Oktober 2017 war es dann so weit – ich habe das erste gedruckte Exemplar in der Hand gehalten. Um zu prüfen, ob ich überhaupt genügend Inhalt für ein solches Projekt hätte, habe ich noch in Schottland (in Tarbert am Loch Lomond) eine Mindmap mit ersten Ideen gezeichnet.

Es folgte eine lange Phase des Schreibens. Da ich damals noch auf englisch gebloggt habe, schrieb ich auch die ersten vierzig Seiten des Buches auf englisch. Nach circa zwei Monaten schwenkte ich auf deutsch um, da sich mein Zielpublikum hauptsächlich in Deutschland befindet (bloggen auf englisch war noch ein Relikt aus den Anfagszeiten meiner Webseite, als ich noch nicht wusste, wohin es gehen soll mit der Fotografie). Die vierzig Seiten Text musste ich auch neu schreiben, diesmal auf deutsch.

Zuerst habe ich ein Gerüst erstellt mit den wichtigsten Themen und diese mit Stichworten gefüllt. Anhand dieser Stichworte habe ich mich dann entlanggehangelt und den Text ausformuliert. So wuchs und wuchs der Text. Anmerkung: Ich habe puren Text geschrieben und noch keine Bilder eingefügt. Ich habe meine Bilder ungefähr im Kopf und habe dann nur eine Bemerkung in den Text eingefügt à la “Hier ein Foto vom Shooting mit der XY einfügen”.

Doch es gab noch ein Problem. Ein Foto-Lehrbuch würde ich nicht ohne einen Verlag rausbringen können. Also musste ich zunächst einen Verlag für das Projekt gewinnen. Dazu bin ich zunächst in eine Buchhandlung gewackelt und habe die dortigen Fotobücher angeschaut, um herauszufinden, welche Verlage überhaupt solche Bücher herausbringen.

Das Ergebnis war eine recht übersichtliche Liste von Verlagen (acht glaube ich waren es). Davon habe ich in einem ersten Schwung fünf Verlage angeschrieben. Auf Anraten eines Bekannten, der selbst Schriftsteller ist, habe ich ein dreiseitiges Exposé erstellt mit ein paar Fotos sowie einer Beschreibung des geplanten Buches. Dieses habe ich als PDF dabeigepackt.

Vier Absagen kassierte ich im Laufe der nächsten Wochen, alle mit der Begründung “interessant, aber wir sehen keinen Markt”. Dann erhielt ich einen Anruf von meinem zukünftigen Lektor, der sich für das Projekt interessierte. Allerdings glaubten auch seine Kollegen nicht an die Marktchancen. Daher erzählte ich ein wenig über Motorradfahrer und das Motorrad fahren und brachte mein Hauptargument vor: Wir haben 16 Millionen Personen mit einem Motorradführerschein in Deutschland und 4 Millionen zugelassene Motorräder. In diesem riesigen Pool an Menschen muss es einfach auch welche geben, die sich für Motorradfotografie begeistern können.

Nach circa zwei Wochen erhielt ich dann den Anruf, dass das Projekt genehmigt worden sei und mir der Verlag einen Vertrag anbietet. Das war der Durchbruch: Jetzt wusste ich, dass ich definitiv das Buch veröffentlichen könnte.

Mit dem Vertrag in der Tasche ging es jetzt richtig rund. Schreiben, schreiben, schreiben. Viele lange Telefonate mit meinem Lektor, der mich durch den Prozess gecoacht hat. Viele kleine Fragen mussten geklärt werden. Wie spreche ich den Leser an (Duzen oder Siezen)? Welche Themen sind relevant? Wo gehört dieses oder jenes Thema hin? Wie nenne ich das Buch? Welches Coverfoto soll genommen werden…

Es folgten mehrere Monate intensivem Schreibens. Parallel habe ich noch weiter fotografiert, wenn auch in eingeschränktem Umfang. So einige Abende habe ich an der Tastatur verbracht und den Text Stück für Stück weiter ausgebaut. Parallel dazu habe ich die Bilder rausgesucht und im Text referenziert (“Abb. 86: DSC_8541.NEF: Eine Ducati Scrambler in einem….”).

Anfang Juli 2017 war es dann so weit: Ich habe das Manuskript mit dem Rohtext eingereicht. Jetzt begann die Phase der eigentlichen Produktion. Zuerst hat das Lektorat den Text professionell Korrektur gelesen und alle Rechtschreib- Groß/Klein- und Interpunktionsfehler eliminiert. Gleichzeitig wurde der sprachliche Stil leicht angepasst. Wenn man einen Text so runterschreibt, rutschen manchmal eher umgangssprachliche Floskeln und Ausdrücke dabei, welche nicht zu einem Sachbuch passen (“Betreten Sie kein Privatgelände, sonst sagt die Polizei Hallo” => “…um während des Shootings keinen Besuch von der Polizei zu erhalten”).

 

Als das geschehen war, wurde das Buch gesetzt, d.h. zusammen mit den Bildern ins korrekte Layout gebracht. Ich war fasziniert, wie schnell das geht. Die Setzerin hat in etwas mehr als einer Woche alle 282 Seiten in eine erste Version gebracht. Es war schon sehr faszinierend, zum ersten mal Text und Bilder verheiratet zu sehen.

Es folgten mehrere Korrekturzyklen. Einige Fotos musste ich nachliefern, weil sie z.B. zu schlecht aufgelöst waren, von mit vergessen wurden hochzuladen oder einfach noch erstellt werden mussten. Es gab insgesamt drei Iterationsschleifen, bis alles fertig war (mein Lektor sagte, das sei normal).

Tja, und dann galt es nur noch abzuwarten. Die Druckerei war sehr ausgelastet mit neuen Büchern, daher dauerte es etwas länger. Und, long story short, am 16.10. kam das Buch dann in den Handel.

Ich habe viel gelernt in dem Prozess. Zum Einen musste ich mich intensiv mit meinen eigenen Bildern auseinander setzen, zum Anderen sehr genau durchdringen, was da fotografisch und technisch passiert. Denn wenn man anderen beibringen möchte, wie etwas funktioniert, muss man es selbst erst verstanden haben.

Jetzt ist das Buch erhältlich und ich bin gespannt, wie die fotografierende und Motorrad fahrende Gemeinde es annimmt. Man darf gespannt sein!

 

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